Kochen lernen und Arbeitsdienst

Hella beendet die Schule mit 16 Jahren mit der mittleren Reife.Ihre Mutter befindet, dass sie als Erstes Kochen lernen sollte und sucht für sie eine Stelle im Bethlehemstift in Ludwigslust.

Es handelt sich um ein Diakonissenhaus, in dem ein Krankenhaus betrieben wird, wo sie in der Großküche arbeitet. Sie fühlt sich dort absolut nicht wohl und beschließt nach einem halben Jahr, das erste Mal in ihrem Leben selbstständig, dass sie dort nicht länger bleiben wird. Sie geht zum örtlichen Arbeitsamt und meldet sich zum Arbeitsdienst.


1936

Eine zukunftsweisende Erfahrung nimmt sie aus Ludwigslust mit: Eine Schwester des Krankenhauses, mit der sie sich angefreundet hatte, zeigt ihr die unterschiedlichen Arbeitsbereiche des Hauses und Hella ist spontan begeistert von der Atmosphäre des Labors und hat von Stund an, die Vorstellung, dass medizinisch technische Assistentin ihr Beruf werden könnte.

Als Ort für den Arbeitsdienst wünscht sie sich, möglichst weit im Norden eingesetzt zu werden, sie träumt immer noch von Sylt. Sie kommt dann auch an die dänische Grenze in die Nähe von Dagebül. Dort heißt es, um 5 Uhr aufstehen und weite Wege zu den Höfen zurückzulegen, auf denen Arbeit im Haus und auf dem Feld geleistet wurde. Dort lernt sie einige Frauen kennen (Gesa und Olli), mit denen sie ihr Leben lang in lockeren Kontakt bleiben wird. Unangenehm bleiben ihr die täglichen morgentlichen Schulungen in Erinnerung, die ihr das Gedankengut der Nazis unsympathisch machen.

Zuhause war Politik nie ein Thema gewesen. Allerdings tritt ihr Vater inzwischen unter dem Einfluß von Bekannten und der Erfahrung des Verlustes des Arbeitsplatzes in die NSDAP ein. Aus dem Schritt, der zunächst aus Opportunismus erfolgt, wird Überzeugung zum völligen Unverständnis von Ehefrau und Tochter. Die Familie sieht zwar Transporte von mit dem Stern gekennzeichnete Menschen, das Ausmaß der Verfolgung nehmen sie nicht wahr. Weder im Freundeskreis noch im Wohnumfeld werden sie darauf aufmerksam, ohnehin wohnen in Lankwitz fast ausschließlich Parteitreue.

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