Das Leben in Berlin

Für Hella endete das idyllische Leben auf Sylt mit seinen Freiheiten mit dem Umzug nach Berlin. Ihrem Vater wurde die Wahl gestellt, ob er nach Berlin oder Hamburg ziehen wollte. Die Entscheidung traf Minna, die befand, dass sie Hamburg schon kennt und deshalb lieber nach Berlin ziehen wollte.


So bezog die Familie eine Wohnung in der Peschkestr. 18 (Friedenau), im ersten Stock, 5 Zimmer. Sie wohnten dort zur Untermiete, nicht sehr lange. Auch die nächste Wohnung in der Südendstraße 36(?) (Steglitz) war zur Untermiete. In den Zwanziger Jahren entwickelte sich die Stadt rasant und es war äußerst schwierig eine Wohnung zu bekommen. In der Wohnung in der Südendstraße gab es Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche und Hellas Bett war in einem Einbauschrank untergebracht. Sie erinnert sich, dass nicht nur jeder Feuerwehreinsatz zu hören war sondern auch die Gespräche aus dem Bereitschaftsraum der Feuerwehrleute. Schließlich zog die Familie erst in die Seydlitzstraße 36 und dann in den Lankovelweg 9 in Lankwitz.

Es dauerte lange bis Hella der Großstadt etwas abgewinnen konnte. Sie besuchte das Lyceum in Lankwitz, ihre Leistungen in Deutsch waren gut während sie mit den Naturwissenschaften nicht so gut klar kam.

Erste erfreuliche Erinnerungen an das Stadtleben brachte die Tanzstunde bei Madame Geistler in Lichterfelde im Alter von 15 Jahren. An ihren Tanzpartner Roderich erinnert sie sich mehr dank seines klangvollen Namens. Natürlich fand alles unter der strengen Aufsicht von Muttern statt. Hella selbst befürchtete immer, es könnte regnen, weil sie sich dann unter den Regenschirm des Tanzpartners hätte begeben müssen, der sie nach Hause begleitete, und sie fürchtete die Blicke der anderen, die unbotmäßige Annäherungen der beiden Tanzpartner vermuten könnten.
Es waren harte Sitten.
Die beiden verloren sich aus den Augen nachdem sich Roderich - unabhängig von den Tanzstunden - eine Fußverletzung zuzog. Aber es war wohl die erste Begegnung mit der Erwachsenenwelt oder besser, wie man sich mit 15 Jahren die Erwachsenenwelt vorstellt.

Etwa zu dieser Zeit muß es sein, dass Hellas Vater aus der Reichsrundfunkanstalt mit dem Argument der "politischen Unzuverlässigkeit" entlassen wird, für einen äußerst pflichtbewußten und ehrgeizigen Menschen wie ihn eine tiefe Niederlage. Seine Frau hat große Mühe die Verzweiflung in Bahnen zu lenken. Schließlich findet er eine Arbeitsstelle als Casinoleiter bei Telefunken. Das entspricht zwar nicht seiner Ausbildung und seinen Interessen aber er ist wieder in Lohn und Brot.

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